marathonmann.de

Icon

running soon: 1. Herz-Kreislauf, StrongmanRun 2015

4. Sparda-Crosstriathlon

Heute gab´s wieder Schwimmen, Fahrradfahren und Laufen – das sind ja gleich drei Dinge auf einmal! Zeit für den 4. Sparda-Crosstriathlon, gleichzeitig die letzte lange Trainingseinheit vor dem Berlin-Marathon am 24. September. Eigentlich so lang, dass ich noch 10 Kilometer hätte dranhängen können, hätte, ja hätte nicht…


.
…hätte nicht seit einer Woche ein Infekt das Kommando. Am Samstag wurde es besser, doch schon am Sonntag war Return of the Rotznase, ich war matt und platt und ziemlich verzagt: Antreten oder nicht?

Das ganze Für und Wider, Abwägen und Abschätzen, Informieren und Sinnieren in so einer Situatin würde hier zu weit führen. Andererseits ist es ganz lehrreich – so weiß ich jetzt, dass grüner Rotz auf eine bakterielle Infektion hindeutet, gelbes Nasensekret eher auf Eiterherde und Sinusitis. Fieberfrei (und gelb) gab ich mir grünes Licht – am Ende nimmt einem niemand die Entscheidung ab, und was twittere ich auch gestern noch von Goethe, dass die Menschen gern den Gipfel im Blick haben, doch auf der Ebene wandeln.

Also, Antritt, und die Erkenntnis, dass es mir am meisten vor dem Schwimmen graust. Wäre das verdammte Schwimmen nicht, es gäb kein Hadern. Techniktraining war ja angepeilt, doch irgendwie ging das Jahr bislang verflixt schnell um. Morgens hatte ich immerhin noch ein paar Schwimmtechnikvideos bei YouTube gespinxt, das muss reichen (reichte bei Weitem nicht).

Startnummer 511, zweite Startergruppe ab 12:00 Uhr, noch trocken. Es ist mit 16° nicht besonders warm, ich trage nur T-Shirt und kurze Hose über der bewährten Triathlon-Suite von 2XU. Auf der Hinfahrt mit dem Bike vermisse ich bereits eine Jacke, an trockene Austauschwäsche oder auch nur eine wasserdichte Tasche habe ich gar nicht gedacht. Schlampige Planung, die ich noch bitter bereuen werde. Langsam fängt es an zu tröpfeln.

Am Müllheizkraftwerk (MHKW, Photowalk) auf Korzert angekommen, regnet es bereits. Daher schnell Anmeldung und Check-in gecheckt. Das Team des Triathlonclubs Wuppertal ist wie bereits letztes Jahr absolut freundlich und professionell, ruck zuck bin ich am Gate, bekomme meine Startnummer verpasst, unterschreibe und checke am hinteren Ende der ersten Reihe ein. Rad aufhängen, jeweils immer versetzt zueinander, selbst dort Unterstützung durch einen Tri-Club-Menschen. Diese Sport-Nerds. Toll. Sehr ruhiger Moment mit mir selbst, Chip anlegen und die Wechselphasen nochmal gedanklich durchgehen. Champion-Chip per Klett ans Bein, Startnummer nach dem Schwimmen auf den Rücken aufziehen, beim Laufen Wechsel der Nummer nach vorne, Laufschuhe stellen, Kamera rausnehmen, Rest unter´m Rad verstauen.

Zum Glück habe ich noch etwas Zeit, alles geht ganz in Ruhe. Raus, zum Schwimmbad.Zu meiner großen Freude treffe ich meine Laufkameraden und Nina, die Athletenfotografin. Peter “Rookie” Lesina ist auch schon vor Ort, Angela, Stephan und Barbara. Selbst unser Kücken Petra stößt am Neuenhof dazu. Samma fast alle beisammen, Waldemar noch auf Fotosafari, wie schee. Weniger schee der dammiche Regen, mittlerweile intensiv.

Wir verfolgen den Start der Gruppe vor uns, Bahnen 1 bis 8, Schwimmzeit gestaffelt von unter 01:30 für 100 Meter bis über 02:00 Minuten. Meine Bahn ist damit wieder die 8, heute keine Experimente, mein Ziel heißt Dabeisein und Ankommen.

Schwimmen im Neuenhof
Wenige Minuten vor dem Start geht´s ins Wasser. Ganz schönes Gedränge auf den Bahnen, doch das spricht für die Veranstaltung. Außerdem bleibt immer ein Plätzchen zum Festhalten am Beckenrand, die Nähe ist kommunikationsfördernd, und eigentlich soll man sich ja auch ein bisschen einschwimmen. Es würde auch gegen das Frieren helfen, trotz 28° Wassertemperatur zeigt sich auf meinen Armen eine ordentliche Gänsehaut. Countdown – und los.

Ich kraule zwei Bahnen flott, verfalle dann aber in den üblichen Stilmix, HASSE das kräftezehrende Schwimmen, weil mir einfach die richtige Technik fehlt. Jegliche Ambitionen auf größere Wettbewerbe in diese Richtung setzen jetzt ein gezieltes Training voraus. Nach 10 Bahnen mag ich nicht mehr, Halbzeit, denke an Ausstieg, aber all der Kampf und das Durchringen umsonst? Ich versuche, die Anstrengung zu vergessen. Klappt, die zweite Hälfte ist weit weniger unangenehm als Teil 1. Die letzten beiden Bahnen, endlich, Anschlag, rausklettern, überrascht und staksig torkle ich zu meinen Radschuhen und dem Handtuch.

Der Weg hoch, hinter dem MHKW hoch zum Platz vor der Abladehalle, wo die Fahrräder stehen, ist steil. Ich laufe nicht,  sondern gehe. Und freue mich, meinen Angstgegner aller Disziplinen erfolgreich hinter mir gelassen zu haben – jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Sind ja nur noch 14,4 Kilometer durchs malerische Burgholz, dann noch 5 Kilometer auf der Sambatrasse. Easy, oder?

Den Regen hat man durch das Wasser bislang nicht so recht gespürt. Wohlmöglich dachte der Himmel, dass das Scheißwetter noch nicht so richtig rübergekommen ist. Jedenfalls fängt es an zu gewittern, Blitz- und Donner-Upgrade für ein Drecksommer 2.0.

Mountainbiking durchs Burgholz
Bike aufgespürt und in Betrieb genommen. Erstaunlicherweise klappt alles wie am Schnürchen, ich lasse mir nur noch eine gefühlte Stundee mit dem Wechsel Zeit, nicht einen halben Tag, wie letztes Jahr. Später werde ich es bereuen, nicht der Politik des Schlucks aus der vollen Pulle gefolgt zu sein, und etwas getrunken zu haben. Jetzt vereinnahmt mich gänzlich der Gang bis zur Zeitmessmatte (aus Fairnessgründen wird in der Wechselzone nur geschoben, um die variierenden Wege zu den Rädern zu kompensieren) und der Start, bergab mit ordentlich Speed vorbei am Alten Bahnhof Küllenhahn. Ich bin klitschnass und der Fahrtwind made be freeze.

Ab Kilometer 2 ging´s dann ab in den Busch, downhill über den matschigen Singletrail. Bei der Orientierungsfahrt vor ein paar Wochen war es trocken (und wetterbedingt etwas heller). Die Strecke hat nass und aufgeweicht wenig damit gemein. Immerhin bemerkt man weiter die kritischen Stellen der Strecke, und fährt angesichts der Wetterbedingungen nochmal vorsichtiger. Andererseits ist das hier ein Wettkampf, keine Kennenlernfahrt. Full throttle, wo es geht – schließlich gilt es, ein paar Plätze gut zu machen.

Meine Füße stecken barfuß in den Trailschuhen. Vollgesogen bis obenhin, bieten sie badewannenartig meinen Füßen ein kaltes Wohlfühlbad. Alles ist nass, der Dreck spritzt mir ins Gesicht, auf die Arme, auf den Anzug. Die Regentropfen peitschen ins Gesicht, auf die Schultern. Jede Hemmung zwecklos, einfach alles saut ein, ist nass und dreckig. Irgendwie hat das auch was, nur habe ich das weder bei diesem Wetter noch mit diesem Untergrund jemals trainiert. Die Sicht ist durch die Brille stark eingeschränkt, die Kurvenlage im Matsch manchesmal kritisch. Adrenalin und Cortisol bahnen sich ihren Weg, ich knurre den Regen an, atme die Angst manchmal laut weg. Doch es hält mich oben, und vor mir tauchen andere Fahrer auf, eine halbes Dutzend kann ich überholen.

Die Anstiege sind schlimm. Mir geht es nicht wirklich gut, der kalte Regen wäscht zwar den Dreck wieder weg, aber kühlt trotz gut Gas ziemlich aus. Ich kann ihnen nur abgewinnen, dass mir durch die nötige Anstrengung wieder wärmer wird. Mir wird kotzübel, will aber nicht Halt machen, lieber etwas langsamer. Leicht gesagt, wenn der Vordermann in Reichweite scheint, oder gerade jemand überrundet wurde. Dafür läuft meine Nase wie nur was, der Regen wäscht das meiste ab, doch noch viel mehr läuft nach, und landet konsequent und enthemmt im Gebüsch. Rotzende Sportler sind kein schöner Anblick, doch im Burgholz war man heute auch ziemlich viel mit sich alleine, also.

Irgendwann bin ich oben, das kurze Stück auf der Rückseite der Trasse im Anstieg scheint unfahrbar, eine einzige, matschige Suppe bergan. Es soll ein Vorgeschmack werden auf einzelne Abschnitte der Laufstrecke. Kein Wunder, vor mir sind aufgrund der Startanordnung und meiner mäßigen Leistung so gut wie alle Teilnehmer durch.

Laufen auf der Sambatrasse
Rad zurückgeführt, aufgehangen, Startnummer nach vorne gewechselt, in die Laufschuhe geschlüpft: Durch den Regen sind sie mittlerweile total durchnässt. Hätte ich nur eine Plastiktüte mitgenommen! Wertvolle Sekunden verstreichen, in denen ich probiere , meine verdreckten Füße in die Schuhe zu bekommen. Sie wollen nicht. Ich will aber, deshalb sind wir kurz darauf gemeinsam unterwegs. Es geht mir wieder besser, das Ende ist jetzt absehbar. Nicht unbedingt durch die Brille, die durch die dampfende Anstrengung nicht nur regentropfenverziert ist, sondern auch beschlägt. Die Brille muss weg, grundsätzlich, doch das wird demnächst erst Thema.

Auf der Strecke finde sofort gut in meinen Rythmus, Laufen bei Nässe – das kenne ich mittlerweile. Ok, keine Socken und klitschnasse Schuhe, aber auch das geht vorbei. Außerdem ist der Gegenverkehr interessant, so viele rote Nummern, wohl Teilnehmer des Hammer. Ich sehe viele Läufer, die sehr professionell aussehen. Cooles Cap, das wäre mal eine Idee für nächstes Jahr oder bei Regen allgemein.

Der Wendepunkt liegt im Wald, bergab mache ich nochmal Tempo, nehme erstaunt meine unorthodoxe Atemtechnik war (regelmäßig schnaubend raus aus der Nase, schön laut, sonst gar nicht meine Art), bergan ist es eine Quälerei durch Matsch, Pfützen, matschige Pfützen und Wurzeln. Kurze Passagen sind unlaufbar, unrunable, will man keinen Freiflug mit waidwunden Folgen riskieren. Wetter und Untergrund sind einfach bizarr. Sportlicher worst-case, trotzdem schlägt man sich irgendwie durch und es geht voran. Hilfreich ist auch hier wieder der Verlust jeglicher Hemmungen, wenn es halbwegs geradeaus und einsehbar wieder mit zunehmenden Tempo laufend durch den Dreck geht.

Zwei Runden, dann ist es geschafft – durch die LKW-Schleuse ins MHKW, dort knubbeln sich im trockenen die Freunde und Fans, Zuschauer und Staff. Lautes Johlen, als ich durchlaufe, Abklatschen und Freude, jede Anstrengung ist vergessen, mit Vollgas geht´s durchs Ziel Dort klatscht Dieter “Didi” Fickert vom Tri-Club (und Cheforganisator des Crosstriathlons) jeden Finisher persönlich ab. Was für ein wundervolles Detail, trotz Regen, ich habe mich wirklich sehr gefreut, auch wenn das sprichwörtlich im Vorbeilaufen stattfand und von mir in diesem Moment gar nicht so richtig wahrgenommen und honoriert wurde.

Fazit und Ergebniss
Ein fantastischer Crosstriathlon, bei dem ich auch sicher 2012 wieder antrete. Das Wetter tut mir für den Tri-Club extrem leid, doch andererseits hat es für ein Erlebnis der extremeren Art gesorgt, von dem viele sicher noch lange zu berichten wissen. Gut vorbereitete Athleten dürften die Bedingungen heute ohnehin kaum etwas ausgemacht haben. Am meisten zu leiden hatten sicher Partner, Publikum, Familien, und Fotografen. Freunde, um so mehr schätze ich eurer Dasein heute!

Gesundheitlich war das Ganze für mich grenzwertig. Am Ende hatte ich keine trockenen Sachen mehr, fuhr mit dem Rad nach Hause, schaffte es
gerade noch in die heisse Wanne. Es ging mir eine Stunde nicht besonders gut, eine weitere Stunde schenkte ich Ausruhen und Essen, jetzt geht´s wieder so gut oder schlecht wie heute morgen. Immerhin ist die Übelkeit weg, die Nase dafür dicht, und die nächste Woche wird zeigen, ob das wirklich gesundheitlich eine 51/49 Entscheidung zugunsten der Teilnahme war, oder ich mich verschätzt habe.

Mit dem 5. Platz in meiner Altersklasse und Platz 73 im Gesamtklassement bin ich angesichts der Umstände sehr zufrieden. Das übertrifft mein insgeheimes Ziel  “Mittelfeld”, das ich mir noch in gesunden Verhältnissen gesteckt habe. Zuletzt runtergestuft auf “Antreten”, dann “Ankommen”. Oder mit Goethe gesagt: Bad, Berg und Trasse bezwungen statt nur in der Ebene gewandelt zu sein, das hat doch was.

Fotos
Sparda Cross-Triathlon 2011 (eigen)
Sparda Cross Triathlon 2011 (by nw)
Sparda Crosstriathlon 2011 (by Stefan “Hegi” Hegenbart)
MHKW und Burgholz (Photowalk)

Rückblick
Bericht zum 3. Sparda Crosstriathlon (2010)
Bilder zum 3. Sparda Crosstriathlon (2010)

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Filed under: Laufen, , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Responses

  1. Hallo “Alf”,

    Wie jedes Jahr ein wirklich toller Bericht. Trotz Regen hatte ich den Eindruck, dass dies alle Athleten besonders angespornt hat. Wenngleich viele erschöpfter als sonst im Ziel ankamen, war doch die darauf folgende Freude noch ein Stück größer als in den Jahren davor.

    Wenn du noch ein wenig durch Fotos blättern möchtest, meine findest du dieses Jahr hier: http://goo.gl/YJaxh.

    Schöne Grüße,
    Stefan

  2. Ja Ja says:

    Guten Morgen Herr Dahl,

    einen netten Erlebnisbericht haben sie da geschrieben.
    Ich habe mir erlaubt diesen im Gaestebuch des Tri-Clubs zu verlinken!

    MfG,
    J. J.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

Follow marathonmann.de on WordPress.com
September 2011
M T W T F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930  

Twitter (Mocki)

Twitter (Brooks)

Error: Twitter did not respond. Please wait a few minutes and refresh this page.

Twitter (StrongmanRun)

Twitter (RUNNERS WORLD)

Twitter (Ruhr Tourismus)

Speed of Light (Twitter)

Highlights

Trailer-Empfehlung

Warnhinweis

Privatgrundstück. Achtung vor dem inneren Schweinehund. Lesen kostet Lebenszeit. Eltern haften für Ihre Kinder.

Besucher

  • 219,879 Besucher
%d bloggers like this: