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Drown in the snow: Ein Winter zum Weglaufen?

Schneechaos! Doch das Gefühl, den Winter in bislang unbekannter Stärke zu erleben, lässt sich höchstens psychologisch, nicht aber meterologisch erklären. Wetterkundler wissen, dass dieser Winter kein Jahrhundertereignis ist. Strenge und schneereiche Winter wie 2005, 2009 oder 2010 sind vergleichsweise selten, kommen aber nachweislich vor. 17 Schneetage hat der Durchschnittswinter, 17 sind es dieses Jahr bereits – und der Winter hat kalendarisch noch nicht einmal begonnen. Der Superlativ elektrisiert eine Gesellschaft, die immer auf der Suche nach neuen Sensationen ist. In diesem Sinne – bald mehr davon. Doch bevor das hier noch zum Essay gerät, zurück zur Kernkompetenz:

Tonnenweise Schnee auf Straßen und Bürgersteigen, gefährliche Lage in den Wäldern. Selbst abgeklärte Gemüter stellen sich aktuell die ganz praktische Frage: Wo laufen? Möglichkeit 1: Die Indoor-Laufbahn in der Leichtathletikhalle Düsseldorf, Arena-Sportpark. Montags, mittwochs und freitags gibt´s (kostenfreie) Gelegenheit, den 200 Meter Rundkurs zu nutzen. Möglichkeit 2) Laufband (wer kann bzw. mag). Möglichkeit 3) Lauf durch den Schnee:

Zugegeben, Variante 3 ist etwas abenteuerlich, da ungewohnt. Tritt man im Laufdress Marke “Eisplanet Hoth” vor die Tür, sprechen einen die Nachbarn an: “Ist das überhaupt bei dem Wetter möglich”? Meine Antwort: Ja. Ich muss vorsichtiger laufen, dank Vorfußtechnik klappt es gerade bei geschlossener Schneedecke aber ganz manierlich. Anders als beim normalen Gehen taucht man hier schwungvoll mit dem vorderen Fußbereich ein, anstatt mit der Ferse aufzusetzen, und dann abzurollen. Die Schrittlänge ist größer, der Grip besser – das ist ein kleiner Vorteil gegenüber dem rutschigen “Geh-Erlebnis” im Schnee.

Die Temperaturen sind gar kein Problem – weder ist es aktuell besonders kalt, noch besonders windig. Mütze ja, Handschuhe nein, eventuell eine Kapuze bei Schneefall. Konzentration ist beim Schneelauf erste Bürger(steig)pflicht, der Blick immer gen Untergrund gerichtet – die Bodenbeschaffenheit ändert sich bei den vielen Kilometern im sehr kurzen Abstand. Unangenehm und bei Anstiegen nicht mehr laufbar, ist “durchgetretener, sandiger” Schnee – geht der Grip gen Null, ist das Ausrutschrisiko zu hoch. Die paar Meter sind aber meist gehend schnell bewältigt, bis man wieder in den Trab findet.

Ein besonderes Erlebnis sind Passanten aller Art. Trifft man im Schneegestöber auf dick eingepackte, langsam wandernde Mitbürger, wird in einer weissen, einspurig gewordenen Welt jeder Überholvorgang zur Herausforderung. Blinker kann man schlecht setzen, Rufe von hinten erachte ich als unschicklich, bleibt also die Überholspur über den Schneeberg – oder Abpassen der richtigen Gelegenheit. Powder-Power pur, wenn man endlich vorbeispur(t)en kann!

Sollte man Blicke im Rücken tatsächlich spüren können, sagt mir meine Empathie, dass nicht jeder Mitbürgersteigbenutzer mit Verständnis auf Operation Schneeflöckchen reagiert. Besonders fühlbar bei Menschen, die gerade ihren Bürgersteig freischippen. Meist wirken sie sehr erschöpft, etwas griesgrämig, und machen eher ungern Platz. Was kann ich dafür, für sowas einen Hausmeister zu haben? Und überhaupt: Für den freien Weg zolle ich jedem Schipper und seiner Arbeit mit einem  freundlichen “Dankeschön!” Respekt, verbunden mit einem direkten Blick below-the-line. Je nach Schneegestöbergrad ist das schon echt was.

Unterm Strich bleibt damit diesen Winter ein Training der besonderen Art, was auf Schnee ziemlich dem Crosslauf gleichkommt. Die Mikromuskulatur jubiliert, jeder Gedanke an “eine gute Zeit” darf getrost eingeschneit werden, dafür ist sicheres Ankommen ohne Hals- und Beinbruch angesagt. Als Belohnung winken tolle Erinnerungen und das unbezahlbar gute Gefühl, der Natur getrotzt zu haben, und auch als moderner Mensch den Widrigkeiten einer extremen Wetterlage gut begegnen zu können – und dabei gar nicht mal auf Technik oder andere zivilisatorische Errungenschaften angewiesen zu sein. Drown in the now.

Filed under: Laufen, , , ,

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