marathonmann.de

Icon

running soon: 1. Herz-Kreislauf, StrongmanRun 2015

King of Electrolore in concert

Glanz und Gloria Anfang Dezember: Auf dem Kölner Konzert von Alexander Marcus war die heitere Hölle los. Den King of Electrolore möchte ich nachfolgend nochmal all jenen vorstellen, die das Phänomen der Mischung aus Volksmusik und housigen Elektrobeats noch nicht erfasst hat…

Ob Rheinland oder Mallorca, Alexander Marcus lässt die Münder offen stehen. Doch nicht aufgrund Entsetzen über die musikalische Deutschtümelei, sondern seines gottgleichen, gnadenlos positiven Drives: Singen, Klatschen, Hüpfen, Tanzen – oder gleich alles gleichzeitig: Wer sich darauf einlässt, erlebt mit Marcus den maximal möglichen Partymarathon, Beine und Lunge werden extrem gefordert. Und weil das so ist, hat der King es verdient, hier nochmal etwas ausführlicher vorgestellt zu werden – 2009 fand er nur kurz Erwähnung.

Physisch fordernder Partymarathon
Ich kann mich nicht daran erinnern, mir auf einem Konzert jemals so sehr die Seele aus dem Leib gesungen zu haben. Dabei kenne ich vielleicht gerade einmal ein Drittel der Lieder ausreichend gut, darunter natürlich die Publikumslieblinge 1,2,3 Lorelei, Homo Dance, Hawaii Toast, Soldaten der Liebe oder Alles Gute. Live gab´s mit dem grandios infantil-bizarren Pitschi Pitschi Popo auch schon einen Ausblick auf das Anfang 2012 erscheinende Album Glanz und Gloria, das sich hier nahtlos einreiht.

Egal, wenn der Rest nicht so gut sitzt – weder hört das einer in der fünften Reihe, noch interessiert es irgendwen. Den Rest vom Text lernt man automatisch, wenn man den Meister nicht gerade begeistert im Chor heiser herbeischreit. In der ausverkauften Live Music Hall in Köln bot der Abend jedenfalls auch ein physisch anspruchsvolles Feuerwerk an Action, die der Akustik nicht im Mindesten nachstand. Zwei schweisstreibende Stunden, die in ihrer Wucht selbst das Covenant-Konzert an gleicher Stelle vor einer Weile weit in den Schatten stellte, stilistisch aber nun mal ´ne ganz andere, schwedische, industriell-elektronische Hausnummer.

Electrolore erwachte vor fünf Jahren
Wie Schwiegermutters Liebling auf  Droge: Bereits seit Ende 2006 rollt Marcus im goldenen Wagen beim Schwager vorn mit ordentlich Electro unter der Haube durchs Land. Overtüre seiner Parodie: Ciao Ciao Bella via Youtube, heute noch der optimale Abschlussong des Konzerts. Plattenfirmen haben ihn reihenweise abblitzen lassen, das Internet bot stattdessen die Basis für seine mittlerweile riesige Fanbase. Dieser wunderbare Resonanzraum, der potentiell alles mit jedem verbinden kann. Als porschefahrenden Callboy für private Sangesständchen sah man ihn eine surburbe Hausfrau beglücken. Der Mix aus aus rosa Outfit, gegeelten Haaren, Dauergrinsen und Robotmoves von vorgestern ist nicht zu toppen. Authentizitätsfragen Fehlanzeige, einfältige Gemüter qualifizieren es als simple Maskerade ab.

Statt zu naheliegenden ironischen Brüchen zu greifen, bläst Marcus bewährte Schlagerklischees einfach noch weiter auf. Der hitparadenkompatible Wortschatz, der im Regelfall auf elektronische Musik sattelt, sitzt präziser als bei Wolfgang Petry. In seiner Musik prallen große diametrale Trends aus Deutschland aufeinander: Techno und Schlager, Szeneclub und Musikantenstadl, Hipster- und Spießertum. Dabei kann die Tanzmusik des Electrolore-Erfinders problemlos mit den Platten mithalten, die DJs in beliebten Clubs auflegen. Ein Geburtstagslied im Shuffle-Rhythmus, mächtige Bassrutschen oder eine Minimal-Techno-Hihat im Straßenfeger Papaya. Kein Wunder, denn hinter der Kunstfigur steckt der Berliner House-Produzent Felix Rennefeld.

Realität und Parodie sind nur noch schwer auseinanderzuhalten, die reale Person verschmilzt mehr und mehr mit seinem Alter Ego und dessen Geschichte: ein ehemaliger Tennislehrer, der als Waisenkind bei seiner Großmutter in den Bergen aufgewachsen ist und während eines Amerika-Aufenthalts die elektronische Musik kennen- und liebenlernte. Nun vermählt er leidenschaftlich die Musik aus seiner Kindheit mit dem Wumms von heute – mehr Infos bietet dieses Hörbuch. Sein bester Freund ist ein Plastikglobus namens Globi, der nicht nur regelmäßiges Requisit seiner Videos ist, sondern auch live auf der Bühne mit von der Party. Think global, dance local.

Marcus Lieder bedienen archetypische Themenfelder wie Liebe, Familie und Heimat. In solch harmlos-naiven Gefühlsappellen stößt der Berliner House-Produzent auf kommerzielles Gold. Keines der Elemente ist neu, trotzdem ist das konsequente und innovative Mashup überaus erfolgreich und mehr als die Summe seiner Teile. Schockgefroren ab Schlüsselbein aufwärts, funktioniert sein Instant-Gebräu sicher gerade in schwülstigen Urlaubsnächten oder dichtgedrängt in kleinen Clubs hervorragend. Vor lauter Ausrasterei des Publikums ist ein Konzert auch immer eine physische Herausforderung – wer hier unsicher ist, sollte sich lieber nach hinten oder an den Rand oder gleich hinten an den Rand stellen. Mittig in fünfter Reihe ist der friedlich und frenetisch pogende Pulk ganz vorn nicht weit, Körperkontakt 360° garantiert – nichts für Klaustro-, Zeno- oder Partyphobe.

Fazit
Meschugge oder meisterlich? Es kommt auf die Haltung an. Wer sich grundsätzlich für den elektronischen Teppich der Musik begeistert, hat beste Einstiegschancen in die Welt der Electrolore. Die bis hin zur Zynik übersteigerte Selbstironie von Marcus im Ausdruck und den Texten polarisiert: Wem die Abstraktion gelingt, wer sein Werk als Kunst akzeptiert, hat die Flatrate zum Feiern. Wer genau hinschaut, entdeckt in seiner Performance und Musik selbst Anleihen von Falco oder Kraftwerk (Fashion). Alle, die ihn zu ernst nehmen, wenden sich mit Grausen ab. Ich habe jedenfalls regelmäßig meinen Spaß, und das Konzert in Köln war ein grandioses Highlight mit Herz.
.

Filed under: Laufen, , , , , , , , , , , ,

One Response

  1. Dies ist die beste und differenzierteste Beschreibung des Phänomens “Alexander Marcus” die es im gesamten INternet gibt und stellt alle Massenmedien direkt in den Schatten!

    Sehr gute Arbeit, Danke!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

Follow marathonmann.de on WordPress.com
December 2011
M T W T F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Twitter (Mocki)

Twitter (Brooks)

Error: Twitter did not respond. Please wait a few minutes and refresh this page.

Twitter (StrongmanRun)

Twitter (RUNNERS WORLD)

Twitter (Ruhr Tourismus)

Speed of Light (Twitter)

Error: Twitter did not respond. Please wait a few minutes and refresh this page.

Highlights

Trailer-Empfehlung

Warnhinweis

Privatgrundstück. Achtung vor dem inneren Schweinehund. Lesen kostet Lebenszeit. Eltern haften für Ihre Kinder.

Besucher

  • 220,812 Besucher
%d bloggers like this: