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running soon: 1. Herz-Kreislauf, StrongmanRun 2015

Laktattest IV – the weather strikes back

Sonntag, 11:0 Uhr, die Glocken läuten, unser Herr und Meister heißt heute Sven, again – heiliger Vater der Leistung(sdiagnostik). Also raus auf´s Feld, Antritt zum Laktattest. Der Cheftrainer ist schon vor Ort, terminlich freigeeist irgendwo zwischen AIDA, Anden, Arte und Two Oceans Marathon.

Apropos freigeeist: Mit rund 4°, Schneeregen, Wind plus einem Untergrund auf dem Sportplatz, der auch fit macht für die nahende Schlammschlacht beim Strongmanrun, sind die Bedingungen durchaus anspruchsvoll. Natürlich gibt es kein Entkommen, wenn man einmal auf dem Platz steht, höchstens eine wehmütige Erinnerung an die Kappe, die man zu Hause hat liegenlassen. Genauso wie die Regenjacke ja nicht mitmusste. Tröpfelt ja nur ein bisschen, klart bestimmt nachher noch auf – jaja. Unsere Wünsche sind eben tatsächlich manchmal auch Verräter. Und weil Hoffnung Leiden im Einzelfall nur verlängert, findet man sich mit Wettersituation und Gefriere einfach nur noch ab.

Genug gejammert, das Programm für heute steht fest: Laktattest. Es steht doch fest, oder? So sicher bin ich mir da (jedesmal) nicht ganz. Der Teufel steckt im Detail. Beim allerersten Milchsäuretest meines Lebens war die Welt noch in Ordnung: 1 Runde laufen, Puls durchsagen, Blut abgeben, 1 Runde laufen – und so weiter. Jedesmal mit steigenden Tempo, vom Gang über Trab, langsamen Laufen und schnellen Lauf. Fortgeschrittene bekommen einen anderen Algorithmus verpasst, und werden so auch geistig gefordert: 42, 38, 36, 31, 28 Sekunden, jeweils von Fahne zu Fahne (a 100 Meter), erst 2 Runden, am Ende dann jeweils 3 Runden. Tricky Trainer Dr. Sven Kawashima!

Es so übersichtlich beschreiben zu können, ist Ergebnis eines stolpernden Prozesses genauen Aufpassens und peniblen Hinterfragens. Da kann man noch so schick (und leider dünn) gekleidet sein – die athletische Arithmetik beim Feldstufentest fällt nicht nur mir schwer, wenn man das in der Regel nur einmal im Jahr macht. Kälte erschwert den Denk- und Versteh-Prozess. Jedes Jahr rätsel ich bereits bei der Fahrt zur sportlichen Standortbestimmung über den genauen Ablauf und Modus des mysteriösen Mess-Mirakels. Jedesmal erklärt es Sven mir, uns, geduldig, und lässt sich auch durch Sicherheitsfragen nicht aus der Ruhe bringen? 36 Sekunden? Pro Fahne oder pro Runde? 2 Runden? Oder 36? Sicher ist sicher.

Es gilt also, die Zeit pro Runde (bzw. Zwischenzeit pro Fahne, was 1/4 Runde entspricht) ziemlich exakt einzuhalten – was aber bei einem bisschen Körpergefühl recht leicht fällt, so dass man sich die Kontrollen in jeder Kurve schnell sparen kann. Guckt man doch mal auf die Uhr, stellt man mit großer Freude Pünktlichkeit auf die Sekunde fest. Wäre ich die Deutsche Bahn, wäre das eine Sensation! Die Akkuranz treibt an, die Zeit bleibt stabil, die Spur nicht so ganz: Der Sportplatz gleicht einem kalten Bachbett. Meine Sorge gilt weniger der Ideallinie als dem Aquaplaning. Versaut ist am Ende trotzdem nur das Laufdress, nicht das Ergebnis, das es in den nächsten Tagen hier online gibt.

Heuer vergleiche ich auch mal schön die Ergebnisse aus 2008 mit heute. Pulstechnisch ist gefühlt alles beim Alten: Moderater Ruhepuls (rund 85, Sven berichtet bei sich selbst von kommoden sub40, wenn er entspannt drauf ist), hoher Maximalpuls (über 190) und relativ schnell hohe Frequenzen bei steigender Belastung (140-185). Aber nun, ich bin kein Riese, mein Herz ist klein, rein, und trotz Laufbegeisterung steht stets der Spaß im Vordergrund, nicht verbissenes Training.

Dennoch spürt man sehr wohl die körperliche Adaption, denn die steigenden Belastungen waren heute bis hin zum absoluten Maximum pure Freude. Wenn der Atem gleichmäßig geht, das Herz pumpt, die Muskeln brennen, die Leistung konstant bleibt und auch über einen längeren Zeitraum abgerufen werden kann – ja was will man denn da mehr? Im Ergebnis verschiebt das tatsächlich Zeiten bei Wettbewerben ins Bessere, aber das ist nur der körperliche Anpassungseffekt. Der Weg ist das Ziel, und wetterbedingt war geteiltes Leid heute auch halbes Leid. Frierhippen relodaded, genaugenommen war die schlammige Sauerei eine echt sportliche Sause.

Update folgt, mit Werten und Vergleich, sobald sie das Labor verlassen haben. Und weil es so schön war, gibt es in diesem Jahr auch noch einen zweiten Laktattest, nach Abschluss der 3-monatigen Intensivtrainingsphase. Premium.

Filed under: Daten, Trainingsplan, Veranstaltung, , , , , , ,

3 Responses

  1. Ich meinte weniger eine Tabelle als einen persönlichen Wert. Ich z.B. schmiere bei Wärme total schnell ab, während ich mit Minusgraden richtig gut zurecht komme. Andere haben das genau umgekehrt. Ich google mal nach Methoden und dann treffen wir uns wieder hier 🙂

  2. Alf says:

    Ich werde mich bei Dr. Kawashima nach dem Temperatur-Koeffizienten und Referenzwert (20°?) erkundigen. So ne Taylorreihe und Approximation sollte er ja locker drauf haben. Aber ist das nicht auch subjektiv? Und zwar einerseits subjektiv relevant, andererseits subjektiv gefühlt: Bei Kälte “fühle” ich mich weniger angestrengt, bin es aber lt. Puls genauso bei Belastung wie bei Wärme. Nur dass mir im Sommer eher das Blut in den Schläfen pocht, und der Schweiss rinnt. Meinem Körper scheint die Temperatur hingegen relativ egal zu sein…

  3. Wie rechnet man denn die Temperatur in solch einen Test ein? Würde mich mal echt interessieren, da ich auch gerade ne Trainerstelle angeboten bekommen habe, auch mit Leistungsdiagnostik. Hast Du mal so etwas wie einen persönlichen Temperatur-Koeffizienten ausgemessen?

    Grüße,

    Guido

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