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Düsseldorfer Diretissima: Himmelgeist Halbmarathon

Als Direttissima, italienisch für „kürzeste Verbindung“, wird im Alpinismus ein direkter, umwegloser vertikaler Aufstieg zum Gipfel bezeichnet. Verrückt wie Läufer nun mal sind, bewegen sie sich abweichend nur auf horizontaler Achse, noch dazu ist Start gleichzeitig Ziel. Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen Berg und Boden, Höhenmesser und Pulsuhr?


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Prolog

Der Sturm auf den Himmelgeister Rundkurs startete im Morgengrauen: Pünktlich um 06:00 Uhr klingelte der Wecker, die Sache nahm ihren Lauf. Im Kampf gegen die Uhr war schon hier ein erster Teilsieg errungen: Noch am Vorabend galten Ehre, Feier und Vergnügen den Recken des BVB – auf Einladung ging es in den Signal Iduna Park. Die Nacht war dementsprechend kurz, rund 4 Stunden Ruhe mussten reichen, alle Hoffnung galt der Akklimatisierung durch das vorangegangene Training im Bergischen Land

Die Jungs der LG Himmelgeist haben nicht nur StrongmanRun-Erfahrung, sondern auch die Orga richtig raus: Der Halbmarathon in Düsseldorf-Himmelgeist bietet verlässlich beste Stimmung, familiäres Flair und Spaß satt. Wird in der Werbung so manches Mal mit dem Hinweis “streng limitiert” künstlich verknappt, ist dieses Prinzip in Düsseldorf Qualitätsgarant: Die Veranstaltung ist stets limitiert auf unter 1.000 Läuferinnen und Läufer, ergo regelmäßig ruckizucki ausgebucht. Die Anmeldung für 2012 ist nicht nur bereits eröffnet, sondern meinerseits auch schon erledigt.

Also, kurz bis zur Schlüsselstelle hier im Quergang mal eben speedclimbingmäßig der weitere Verlauf: Entspannte Ankunft um 07:00 Uhr unweit des Rheinufers. Lokalmata- und Moderator Thomas Henk informierte und vergnügte die sich sich einlaufende und warm haltende Läuferschar. 12 Grad sind 2011 ein großer Kontrast zu 26 Grad im vergangenen Jahr – und läuferisch beste Voraussetzungen für sportliche Spitzenleistungen! Allerdings auch für grippale Infekte. Da muss man abwägen.

Auf der Strecke stellt sich dieses Problem widerrum nicht, da Laufen stets verlässlich jede Kälte Wärme macht. Kult: Unmittelbar vor dem Startschuss wurde wieder gemeinschaftlich die Durchfahrt des Linienbusses abgewartet. Allerdings wurde seine Passage diesmal weniger warmherzig durch die Athleten begleitet, ja man könnte fast von Unterkühlung sprechen, die La Ola bleiben jedenfalls aus. Auch kein O Lá Lá: Cheerleader diesmal nicht dabei, vielleicht auch daher so kalt, die waren nämlich heiss. Als dann noch die Startpistole nicht auffindbar war, und der Start durch Schirmherr, Co-Moderator und Marathon-Olympiateilnehmer Manfred Steffny eröffnet wurde, konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.

The good
In den Straßen von Düsseldorf Himmelgeist ist es zu Beginn etwas schmal für die vielen hundert Läufer. Trotzdem nahmen wirkliche alle Teilnehmer große Rücksicht, nie sah man auch nur einen Schubser oder ein Straucheln. Fehlen eigentlich nur noch Blumen im Haar, Weichzeichner, Zeitlupe und Vangelis “chariots of fire”, doch das Gegenteil war der Fall: Das Feld nahm schnell Fahrt auf, viele Läufer peitschten sich mit Musik nach vorne, und durch die Platzierung im ersten Drittel des Startbereichs (analog des Vorjahresergebnisses in der Rangliste) fand sich schnell ein homogener Rythmus im überschaubaren Umfeld, ohne viel Positionskampf. Dafür mit viel Gefallen am Anblick laufender Läufer – die gleichmäßige Funktionalität unseres Bewegungsapparates hat schon seine sehr eigene Ästhetik!

Ich merkte schnell, in meinem angepeilten Wunschtempo von 05:00 – 05:30 Minuten pro Kilometer gut unterwegs sein zu können. “Überpacen”, also zu hohe Geschwindigkeit insbesondere zu Beginn, bietet sich aus energieökonomischen Gründen niemals an. Ein 04:xxer Schnitt wäre zu viel des Guten gewesen, was sich insbesondere in der zweiten Halbmarathonhälfte durch Leistungseinbruch rächen würde. Optimal läuft es, wenn die Zeit der zweite Hälfte ziemlich exakt der des ersten Abschnitts entspricht.

Unser loser Verbund Regionaler Runner bildete sich diesmal aus dem sportlichen Kleeblatt Laufgott Marc, Sir Toby, Oli und mir. Mit Marc hat unser Quartett ein Ass im Ärmel und ein Platz in der Top 15 sicher. Genaugenommen der 13. Platz, Gratulation und Respekt für unfassbare 01:25 Uhr, noch dazu als gerade man wenige Wochen junger Vater.

Sir Toby legte erneut extrem gut vor, wo er auch den Sambatrassenlauf mit deutlich unter 50 Minuten finalisierte. Die rund 30 Kilometer (!) an Fronleichnam haben sich augenscheinlich nicht negativ auf das Ergebnis ausgewirkt, 01:43 Stunde – Rekord. Herzlichen Glückwunsch, Tobias! Genauso an Oliver, der mit fantastischen 01:46 Stunden in Ddorf debütierte. Alle nicht mehr weit weg von der Schallgrenze “Halbmarathon unter 100 Minuten”… Andererseits, ist weniger wirklich immer mehr? Wenn Gutes länger dauert, kann man doch nichts Schlechtes daran finden?

Wäre der Weg das Ziel gewesen, wäre ich die vertraute Strecke komplett mit emporgerreckten Armen gelaufen. Es war wunderbar, dass Körper und Geist durchhielten, und es keine nennenswerten Einbrüche gab. Keine Gehpausen. Keine Schmerzen. Ab Kilometer 14 taten die Verpflegungsstationen (nur Getränke) spürbar gut: jeden der perfekt gereichten Becher hab ich zur Hälfe zur äußeren und inneren Versorgung eingesetzt – was spürbar Energie remobilisierte. Von Müdigkeit keine Spur, allerdings habe ich mich auch morgens massiv mit Kaffee (2 Tassen) und Energieriegeln (2 Stück) abgesichert: Da der Körper rund 40 Minuten für die Resorbierung braucht, sind 40 Minuten vor dem Start ideal, nach je nach Tempo bei Kilometer 6-12 nochmal. Habe mich aber im Verdacht, noch mentales Potential zu haben: Auf den letzten Kilometern quäle ich mich regelmäßig zu wenig, und nehme mich zugunsten der Vermeidung späterer stationärer Aufnahme lieber zurück.

Ab Kilometer 18 galt der Biss den letzten Kilometern – den gesamten Lauf hab ich mit Runkeeper aufgezeichnet, und mir regelmäßig, sprich alle 5 Kilometer die Daten durchsagen lassen: Wie lange bin ich schon unterwegs? Welche Strecke liegt hinter mir? Welche aktuelle Zeit pro Kilometer (“pace”)? Welche Durchschnittsgeschwindigkeit? Das Delta zwischen abnehmender Zieldistanz und zunehmender Zeit machte mich am Ende mürbe. So lieb ich meine kleine Sprecherin im Ohr hab, so sehr hat der zunehmende Druck genervt. Schliesslich hatte ich mir was vorgenommen – eine neue, persönliche Bestzeit auf der Halbmarathondistanz. Unter der des RRM. Als mir die Fee ins Ohr flüsterte, dass ich das Ziel erreicht habe, waren wir wieder Freunde.

Bei der After-Run-Party mit Bier und Band im Garten der Gasthofes “Zille” war es wieder brechend voll, mit bester Stimmung bei Tombola, Siegerehrung und Livemusik.

Im Anschluss noch Abstecher bei Ikea und Hein Gericke gemacht. Die tighte Laufkleidung ist jedesmal für Warenhaus-Walker ein Hingucker, auch wenn aus ästhetischen Gründen wenigstens das manierliche, verlängerte Laufjäckchen Marke Nike storm fit aufgetragen wurde. Beim Hein merkte einer der Verkäufer immerhin auf, mit einer Bemerkung zu dem offensichtlich vorgangeganenen sportlichen Tun. Ich erwiderte, dass die Rennleitung mich Einkaufen geschickt habe, da bei dem gemessenen Tempo Helmpflicht Phase sei.

The bad
Nix!

The ugly
• Schmerzender hinterer Unterschenkel links
• Leicht schmerzender oberer Strecker Oberschenkel rechts
• Fette Frontalblase am rechten Digitus II (Nachbar des großen Onkels)
•  Stimme heiser (Feier gestern, Feier heute und Mitsingen im Auto)

The results
Brutto 01:52, netto neue PBZ (30 Sekunden unter der des RRM), Altersklasse M35 Platz 51, gesamt Platz 282 von 835. Passt super zur Startnummer 51. Von Anfang bis Ende läuft man gegen sich selbst – retrospektiv sind die meisten aber doch neugierig auf den Vergleich. Laufen und Leben kann man eben immer nur vorwärts, verstehen rein rückwärts. Subjektiv war das diesmal echt super und ich bin sehr zufrieden. Auch, weil ich in den letzten Monaten gar nicht auf einen Halbmarathon trainiert habe, genaugenommen in den letzten 8 Wochen zu wenig, insbesondere bei der Länge: Kein Lauf über 12 Kilometer, darunter meistens nur schnellere Einheiten. Ein gezielter Trainingsplan für einen Halbmarathon sieht ansteigend lange Läufe vor, in niedrigen Pulsbereichen, idealerweise ein- bis zweimal vorher über die komplette Halbmarathondistanz von 21,195 Kilometern.

Der Kampf über Brücken und am Boden war damit von Erfolg gekrönt. Durchkommen oder Umkommen! Sportliche Tugenden, Hingabe, Gemeinschaft, Kameradschaft und Kampfesmut brachten uns durch die tückischen Herausforderungen der schier nie enden wollenden Lauflandschaften entlang des vorgelagerten, Düsseldorfer Rheinufers. Um es mit den Worten meiner angelächsischen Freunden zu sagen: Suffer well.

Die Düsseldorfer Diretissima
Im Vergleich “Alpin vs. Asics” entspricht die Diretissima am ehesten der gleichmäßigen Durchschnittsgeschwindigkeit. Ob nun vertikal oder horizontal, diese (blaue) Flatline kann sich doch sehen lassen (für Neulinge: hier mehr zur App Runkeeper, mit der man seine Läufe live aufzeichnen kann). Ich bin ein bisschen stolz darauf, weil eine gleichmäßig gelaufene Geschwindigkeit aus physiologischer und wettkampftaktischer Sicht optimal ist, und ich das bislang so noch nicht hinbekommen habe.

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The pictures

Alle Handyschnappschüsse findet ihr hier. Die offiziellen Fotos des Veranstalters sind noch in Arbeit, Link folgt…

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One Response

  1. Marcel says:

    Hehe, die grünen Erhebungen deines Schaubildes machen aus dem Himmelgeist-HM ja einen wahren Gebirgslauf ;o). Nur die einzigen tatsächlichen Erhebungen, die Brücken (hier gut zu erkennen), da misst er auf Rheinpegelniveau^^

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